Vereinigte Servais-Werke Ehrang-Witterschlick, vormals Tonwerk Witterschlick, Servais & Co. und Thoonwaarenfabrike von Lamberty, Servais & Cie.

Ehrang, heute Ortsteil von Trier

Die Unternehmer Philipp Lamberty (Direktor der Plattenfabrik Utzschneider und Jaunetz-Wasserbillig), dessen Betriebsleiter Bernhard Ferring und der Industrielle Paul Servais gründeten im Jahr 1877 eine Fabrik zur Herstellung von Flurplatten, Trottoirsteinen, Röhren und feuerfestem Material.

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Servais

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Das Werk wurde bis zum Herbst 1878 auf einem weitläufigen Gelände zwischen den Städten Ehrang und Pfalzel fertiggestellt und nahm die Produktion mit ca. 70 Arbeitern auf.

Die zur Fabrikation der uniglasierten Tonplatten in den Farben Rot, Gelb und Weiß notwendigen Rohstoffe bezog das Werk zum Teil vom Rhein, zum Teil aus dem Nassauischen der Pfalz und von Speicher, während die zum Brand notwendigen Kohlen aus dem Saargebiet geliefert wurden.

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Servais

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Die Tonplatten stellte man im Naßverfahren her, indem die zur gewünschten Farbe des Scherbens notwendigen Tonsorten gemischt und mit Wasser derart versetzt wurden, daß die Masse durch ein Schneckengetriebe zu pressen war und von einer Schablone geformt werden konnte.

Schon in den ersten Jahren der Produktion wurden neben dem Hauptartikel auch Kaminaufsätze, Röhren, Ofenrosetten und Beeteinfassungen hergestellt; die bei allen diesen Erzeugnissen abfallenden Reste verarbeitete das Werk zu Back- und Schamottsteinen.

Neben diesen funktionalen Produkten bemühte sich das Unternehmen auch um künstlerische Aspekte der Bodenverkleidung, indem man auf die maurische Schnittwerktechnik, genannt Alicatado, zurückgriff. Durch die farbliche Zusammenstellung von unglasierten Platten und zugeschnittenen Formstückchen, konnten nach dem Mosaikprinzip große Flächen ornamental gestaltet werden, wobei die Formstückchen derart geschnitten wurden, daß ihre Ränder die Umrißlinien großer figürlicher Zeichnungen bildeten.

Die wirtschaftlichen Probleme nach der Werksgründung reichten ohne wesentliche Besserung bis in die 1880er Jahre.

Die Hauptursache für die Absatzstockung, besonders im Fall von Österreich, lag im hohen Einfuhrzoll, mit dem das Land seine eigene Wirtschaft zu schützen versuchte. Die Flurplatten und Trottoirsteine kosteten mit dem Satz von 1,00 M per 100 Kilo ebensoviel Zoll wie die feineren Mosaikplatten.

Auch in den Folgejahren änderten sich die Exportverhältnisse nicht, so daß die Absatzmöglichkeiten im Inland verbessert werden mußten.

Im Jahr 1890 wurde der Tonwarenfabrik eine Mosaikfabrik angegliedert, die unter der Leitung des bei Villeroy & Boch in Mettlach ausgebildeten Eduard Becking stand. Im Jahr 1898 erfuhr das Werk eine neue Erweiterung, indem eine Abteilung für die Herstellung glasierter Wandplatten eingerichtet wurde.

Der Leiter dieser Werkstätte war Henri Boudaux, der von der Fabrik "Les Majoliques de Hasselt" aus der Stadt Hasselt bei Brüssel in Belgien kam. In der Folgezeit dehnte dieser Betriebszweig durch die hohe Nachfrage seine Produktion auf wetterfeste glasierte Waren der Baukeramik wie Säulen, Wasserspeier, Friese, Ständer und Brunnenstöcke aus.

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Servais

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Nach dem wirtschaftlichen Aufschwung Ende der 1880er Jahre, gründete der Unternehmer Paul Servais 1889 mit anderen Teilhabern die Firma "Tonwerk Witterschlick, Servais & Co." in Witterschlick bei Bonn.

Am 23. Juli des Jahres 1902 wurde dieses Unternehmen mit dem Werk in Ehrang zur Aktiengesellschaft "Vereinigte Servais-Werke Ehrang-Witterschlick" fusioniert. Neben dem Tochterunternehmen in Witterschlick errichtete man zur Umgehung der Zollschranken im Jahr 1897 das Zweigwerk Maryvil zu Radom in Russisch-Polen, das wegen Mangel an Fachkräften 1898 von Ehranger Arbeitern unter Eduard Becking aufgebaut werden mußte.

Nachdem das Unternehmen in Ehrang die rückläufige Baukonjunktur der Jahre 1929/30 noch gut überstanden hatte, mußte der Betrieb am 15. Juli des Jahres 1931 durch die anhaltende, minimale inländische Bautätigkeit und die Währungsveränderungen mit den neuen Zollmaßnahmen im Export stillgelegt werden.

Die zu dieser Zeit beschäftigten 350 Arbeiter kamen zur Entlassung, ohne daß die Werksleitung Aussagen über die Wiedereröffnung der Fabrikation machen konnte. Erst im März des Jahres 1933 wurde die Herstellung der Mosaikplatten wieder aufgenommen, wobei sich die Tagesproduktion der etwa 300 Arbeiter und Angestellten auf ca. 1300 qm belief.

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